Einkommen: Einkommen und Konsum


Einkommen: Einkommen und Konsum
Einkommen: Einkommen und Konsum
 
Das Einkommen, der Vermögenszuwachs einer Wirtschaftseinheit innerhalb eines bestimmten Zeitraums, kann in Form von Gütern, Forderungen, Dienstleistungen und Geld entstehen, wobei in einer Marktwirtschaft das Geldeinkommen vorherrscht. Die Haushalte einer Volkswirtschaft verfügen über ein Einkommen, das zum Teil regelmäßig für Lebensmittel, Kleidung oder auch Freizeitaktivitäten ausgegeben wird. Ein anderer Teil des Einkommens wird gespart. Die Beziehungen zwischen Einkommen, Konsum und Ersparnis aller Haushalte spielen eine wichtige Rolle bei der Analyse volkswirtschaftlicher Zusammenhänge. Diese Zusammenhänge beschreibt eine Konsumfunktion.
 
 Die keynesianische Konsumfunktion
 
Der britische Nationalökonom John Maynard Keynes (1883-1946) kam unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise 1929 zu der Überzeugung, dass andauernde Unterbeschäftigung möglich sei und dass diese nur durch eine nachfrageorientierte Politik des Deficit-Spending (Defizitfinanzierung) beseitigt werden könne. Nach seiner absoluten Einkommenshypothese hängt der reale Konsum von der absoluten Höhe der realen Haushaltseinkommen ab. Nach Keynes soll durch staatliche Maßnahmen für ein höheres Einkommen und damit für eine stärkere Nachfrage und eine Belebung der Konjunktur gesorgt werden. Die Abhängigkeit des wertmäßigen Konsums (eines einzelnen Wirtschaftssubjekts oder auch der gesamten Volkswirtschaft) innerhalb einer Periode vom Einkommen, aber auch von anderen Variablen (z. B. Vermögen, Zins- und Preisniveau), kann als mathematische Funktion (Konsumfunktion) ausgedrückt werden. Grundsätzlich teilt sich das Einkommen (Y) auf Konsum (C) und Sparen (S) auf, es gilt also Y = C + S. Die keynesianische Konsumfunktion unterstellt, dass der Konsum mit steigendem Einkommen zunimmt. Verfügt die Familie über ein höheres Einkommen, so steigen die Konsumausgaben - es werden mehr Spielsachen gekauft, aufwendigere Urlaube gemacht, häufiger ein Restaurant aufgesucht oder aber ein größeres Auto gekauft. Die marginale Konsumquote (c) als Ableitung der Konsumfunktion nach dem Einkommen beschreibt dabei, um welchen Betrag der Konsum steigt, wenn sich das Einkommen um eine Einheit erhöht; ihr Wert liegt in der Regel unter 1. Eine marginale Konsumquote von 0,75 würde somit ausdrücken, dass pro einem mehr verdienten Euro die Konsumausgaben der Familie um 75 Cent steigen. Die anderen 25 Cent werden gespart. Zudem wird ein autonomer bzw. absoluter Konsum (C0) unterstellt, der einkommensunabhängig ist. Aus diesen Annahmen folgt, dass mit steigendem Einkommen die durchschnittliche Konsumquote (Verhältnis zwischen Konsum und Einkommen) sinkt.
 
 Permanente Einkommenshypothese und Lebenszyklushypothese
 
Die oben beschriebene Konsumfunktion zieht das Einkommen des laufenden Jahres als maßgeblichen Einflussfaktor für das Konsumverhalten heran. Andere Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass die Konsumenten zwischen langfristiger und kurzfristiger Einkommensentwicklung unterscheiden und darauf ihr Verhalten abstimmen. Beispielsweise wird eine Familie geneigt sein, von der einmalig gezahlten Prämie des Arbeitgebers deutlich mehr als nur ein Viertel zu sparen. Die Familie fragt sich also: »Ist unser derzeitiges Einkommen nur vorübergehend durch eine Prämienzahlung so hoch, oder können wir sogar langfristig mit einer Gehaltsverbesserung rechnen?« Der amerikanische Nationalökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman (* 1912) unterscheidet zwischen permanentem und transitorischem Einkommen. Seine permanente Einkommenshypothese unterstellt einen proportionalen Zusammenhang zwischen permanentem Einkommen (Verzinsung des Vermögens einschließlich des künftigen Arbeitseinkommens) und Konsum. Einkommen und Konsum werden hierbei um transitorische Komponenten (Zufallsgrößen, z. B. Prämienzahlung) bereinigt. Haushalte reagieren auf kurzfristige Einkommensschwankungen nicht unmittelbar. Nur im Falle einer langfristigen Einkommensverbesserung ist es wahrscheinlich, dass der Haushalt einen großen Teil des Einkommenszugewinns für den Konsum verwenden wird. Kurzfristige Einkommensgewinne werden überwiegend gespart. Nach der Lebenszyklushypothese des amerikanischen Ökonomen und Nobelpreisträgers Franco Modigliani (* 1918) versuchen die Haushalte, aufgrund ihres erwarteten Lebenseinkommens die Konsumausgaben möglichst optimal auf die verschiedenen Lebensabschnitte zu verteilen. Ein wichtiger Bestimmungsfaktor für das aktuelle Konsumverhalten von heute ist somit die Erwartung bezüglich einer bereits gesicherten Altersversorgung. Andere das Konsumverhalten beeinflussende Faktoren sind beispielsweise das bereits angesammelte Vermögen eines Haushalts oder das aktuelle Zinsniveau auf dem Kapitalmarkt. Das Konsumverhalten wird zudem durch den Keil belastet, der durch Steuern und Sozialabgaben zwischen das Brutto- und das Nettoeinkommen geschoben wird.

Universal-Lexikon. 2012.

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